Dr. Ronald Schultz / Dr. Karen Becker

Der Artikel stammt von Dr. Karen Becker. Sie schreibt über grundsätzliche Informationen zur Tierimpfgeschichte, Core- und Non-Core-Impfstoffen und zur Immunität. Ergänzt wird der Artikel mit den Antworten der Fragen die sie an Dr. ronald schultz gestellt hat.

Für Menschen die nach wie vor von einer jährlichen Impfung überzeugt waren ist dies sicherlich ein aufschlussreicher Artikel und ich hoffe sehr, dass der Eine oder Andere vllt dazu übergeht vom jährlichen Impfen abzusehen.

 

Zur interviewten Person

Dr. Schultz hat sowohl den Bachelor als auch den Master der Wissenschaft (1966+1967) sowie einen Doktor der Philosophie (1970) und ein Ehrendiplom vom "American College of Veterinary Microbiology".

 

Er ist aktuell Leiter der Abteilung für Pathobiologische Wissenschaft in Madison. Diese Abteilung witmet sich folgenden Aufgaben:

- Immunpathogenese von viralen Erkrankungen

- Entwicklungsaspekte der Immunität

- Auswirkungen von Umweltfaktoren auf das Immunsystem

- Vakzinologie

- Immunologie

- Virologie

- Pathogenese der Infektionskrankheit

 

In seiner Abteilung, die eine der vier größten Abteilungen der Universität ist,  gibt es 150 Dozenten und Studtenten; sie ist ein sehr wichtiger Teil der Veterinärschule. Seine Spezialität ist die Veterinärimmunologie.

 

Teil 1 des Interviews und Artikels

Ein bisschen Tierimpfstoffgeschichte

Heutzutage sind Impfungen eines der heftigsten diskutierten Themen in der Tiermedizin. Der Grund dafür ist, dass man auf der einen Seite seine Tiere vor tödlichen Infektionskrankheiten schützen möchte, auf der anderen Seite gibt es aber auch sehr große Probleme durch Überimpfung.

 

Wenn Menschen gegen Krankheiten wie Masern, Mumps, Röteln und DPT in der Kindheit geimpft wurden, bietet diese Immunisierung einen Schutz auf Lebensdauer. Sie werden im ganzen Leben des Kindes nicht wiederholt, geschweigeden werden sie jedes Jahr wiederholt.

 

Als ich, vor 20 Jahren, für die Humane Society (Organisation in den Vereinigten Staaten, deren Ziel der Schutz von Tieren und der Einsatz für deren Wohlergehen ist.) arbeitete, sah unser Welpenprotokoll einen 5-fach-Kombinationsimpfstoff in der 6., 8., 10., 12., 14. und 16. Woche vor, gefolgt von einer jährlichen Auffrischung jedes Jahr - für den Rest des Lebens.

 

Als ich zur Veterinärschule ging und lernte, dass die Wirkung von Impfstoffen nie nachlässst, war ich ziemlich verwirrt darüber, warum Tierärzte die jährliche Impfung empfehlen. Also fragte ich Dr. Schultz, wie Hunde und Katzen Immunität entwickeln.

 

Dr. Schultz erklärte, dass meine Fragen die gleichen waren, die er sich in den 1970er Jahren stellte - wie oft müssen Hunde und Katzen geimpft werden und welche Impfstoffe sind wirklich notwendig?

 

In den 1970er Jahren standen nicht viele Tierimpfstoffe zur Verfügung, so Dr. Schultz, jedes mal wenn ein Neuer zur Verfügung stand, wurde er der Spritze hinzugefügt.

 

In den 1980er Jahren gab es 12 oder 14 verschiedene Impfstoffe als Kombinationsprodukte. Als Immunologe wusste Dr. Schultz, dass dies keine gute Idee war. Geimpfte Tiere begannen Nebenwirkungen zu entwickeln, so zeigten auch ihre Körper, dass Kombinationsimpfstoffe eine schlechte Idee waren.

 

Im Jahre 1978 entwickelte und veröffentlichten Dr. Schultz und ein Kollege, Dr. Fred Scott, ein Impfprotokoll. Es sagte aus, die Impfungen für Welpen oder Kitten beizubehalten, im Alter von einem Jahr nachzuimpfen und dann alle drei Jahre, oder weniger häufig, erneut zu impfen.

 

Veränderungen sind oft ein langsamer Prozess und es dauerte bis 1998, als die "American Association of Feline Practitioners" Richtlinien herausgab, die denen von Dr. Schultz und Dr. Scott  ähnelten, die sie vor 20 Jahren veröffentlichten.

 

Core vs. Non-Core Impfungen

Es gibt heutzutage mehr Impfstoffe als in den 1970er Jahren, aber wir wissen jetzt, es gibt bestimmte Impfstoffe die sogenannten "Core-Impfstoffe", die jeder Hund und jede Katze erhalten sollte.

 

Core-Impfstoffe für Hunde:

- Staupe

- Parvovirose

- Adenoviren

- Tollwut

 

Core-Impfstoffe für Katzen:

- Panleukopenie

-  Caliciviren

- Herpesviren

- Tollwut

 

Die Impfstoffe schützen vor sehr ernsten Krankheiten, mit einer Sterblichkeit von 60 bis 80 Prozent bei Jungtieren. Deshalb sollten Kitten und Welpen diese Core-Impfstoffe sehr früh erhalten.

 

Alle anderen Impfstoffe werden als Non-Core-Impfstoffe bezeichnet. Nur bestimmte Tiere brauchen diese Impfstoffe, hingegen braucht jedes Tier Core-Impfstoffe.

 

Als nächstes fragte ich Dr. Schultz welche Impfstoffe für Wohnungskatzen notwendig sind, die nie Kontakt mit Freigängern haben.

 

Dr. Schultz empfiehlt nur den Core-Impfstoff für Panleukopenie für Wohungskatzen. Er erklärte, dass die letzte Impfung im Alter von 14. bis 16. Wochen erfolgen sollte, da bis zu diesem Zeitpunkt keinen Schutz mehr durch die Mutter hat.

 

Würfe von immunisierten Katzen und Hunden haben einige schützende Antikörper von deren Mutter bei Geburt bekommen. Diese Antikörper sind systematisch aber sie haben eine begrenzte Lebensdauer. Sie sterben schließlich ab, das Immunitätslevel der Mutter bestimmt, wann das Absterben in den Kitten oder Welpen auftritt. Nur wenn die Antikörper der Mutter abgestorben sind, immunisiert eine Impfung tatsächlich die Welpen und Kitten. 

 

Impfung vs. Immunität

Ich fragte Dr. Schultz nach dem Unterschied zwischen geimpft sein und immunisiert sein. Laut Dr. Schultz, und ich stimme dem in jedem Fall zu, neigen wir dazu zu viel zu Impfen aber manchmal haben wir nicht viel immunisiert - vor allem wenn es um Kitten und Welpen geht.

 

Die maternalen Antikörper bei Welpen und Kitten blockieren die Arbeit der Impfstoffe. Es ist einer der Gründe warum wir Jungtieren eine Reihe von Impfstoffen geben.

 

In den 1960er und 1970er Jahren, als wir zum ersten Mal begannen Impfstoffe zu verwenden, erstellten Tierärzte einen Leitfaden für Würfe, um zu bestimmen wann sie effektiv geimpft werden konnte. Der Leitfaden basiert auf dem Antikörper-Titer der Mütter. Mithilfe der Halbwertszeit sagte man voraus wann die mütterlichen Antikörper in den Babys nachlassen und wir können genau bestimmen, wann die Welpen oder Kitten geimpft werden sollten. Maternale Antikörper lassen zwischen fünfeinhalb und neun Wochen nach.

 

Die Zeitspanne zwischen dem Absterben der mütterlichen Antikörper und dem Immunsystem das stark genug ist um es zu schützen, ist Fenster der Möglichkeit in dem die Welpen oder Kitten ungeschützt einem Virus ausgesetzt sind, der sie töten kann.

 

Der Zweck von Impfstoffen ist das unreife Immunsystem zu stimulieren Antikörper zu bilden, damit im Falle das ein Hund oder eine Katze einer ansteckenden Krankheit ausgesetzt ist, dieses in der Lage ist eine Immunantwort zu produzuieren und diese zu bekämpfen.

 

Das Schöne an dem Leitfaden ist, dass er darüber informiert, wann Welpen und Kitten eine Impfung benötigen, weil man es ziemlich genau voraussagen kann, wann die Würfe nicht mehr durch die mütterlichen Antikörper geschützt werden. Auf diese Weise können Sie das Kitten oder den Welpen mit den richtigen Impfstoffen zur entsprechenden Zeit impfen und vermeiden unnötige Impfungen.

 

Der Nachteil der Leitfaden-Methode ist, dass er eine Menge Zeit in Anspruch nimmt um die Ergebnisse zu erhalten. Ein weiterer Nachteil ist, dass die mütterlichen Antikörper für die verschiedenen Vieren zu unterschiedlichen Zeiten absterben. Zum Beispiel könnte ein Welpe nach 8 Wochen auf Staupe reagieren aber bis zur 12. oder 14. Woche nicht auf Parvovirose.

 

Wenn Sie mit einem ganzheitlichen Tierarzt arbeiten, der einzelne Impfstoffe nutzt, ist dies ein perfekter Weg um einen idealen Impfplan zu erstellen, jedoch tut die Mehrheit der Menschen dies nicht und dies ist der Grund, warum es populär wurde dem Hund oder der Katze eine ganze Reihe von Impfungen zu geben - man muss nicht warten und es ist weniger teuer im Vergleich zum Titern.

 


Teil 2 des Interviews und Artikels

folgt

 


Die Videos des Interviews (Englisch)

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Quelllinks:

Die Informationen zur Person von Dr. Ronald Schultz basieren auf der Homepage der "School of Veterinary Medicine - University of Wisconsin - Madison".

Die Informationen des restlichen Artikels basieren auf dem Interview von Dr. Karen Becker mit Dr. Ronald Schultz.
Hier der Link zum Interview. (englisch)